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Brandora to B | 21. Januar 2020

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65 Jahre „spiel gut“

65 Jahre „spiel gut“

Das Siegel „spiel gut“ wird heute 65 Jahre alt. Was 1954 mit einer Ausstellung zu gutem Spielzeug im Ulmer Museum begann wurde zu einem bekannten Gütesiegel. 

Von den Anfängen bis heute

Als die Exponate für die Ausstellung „Gutes Spielzeug“ ausgewählt wurden, ging es zunächst um „schönes Spielzeug“, aber das Schöne war damals auch das Gute also qualitativ hochwertiges Spielzeug und es sollte Kinder zum Spielen animieren. 

Eine Reihe von Fachleuten wurden eingebunden und zur Ausstellung gab es anstatt eines Kataloges einen Ratgeber: Gutes Spielzeug – Ratgeber für  Auswahl und Gebrauch. Durch die Weiterentwicklung der spiel gut Auswahlkriterien und ständige Überarbeitung hat sich der Inhalt weiterentwickelt und das Buch heißt heute „Vom Spielzeug und vom Spielen“.

Die Kriterien für „gutes Spielzeug“ waren damals und sind noch heute: Spielwert, Fantasie und  Vorstellungsvermögen, Gestaltung, Material, Haltbarkeit und Verarbeitung, Menge, Größe, Gewicht, Gebrauchsanleitung, Konstruktion und Mechanik, sowie eine Altersangabe.

In den 70er Jahren kam die Sicherheit dazu und Ende der 80er das Thema Umweltverträglichkeit. Die Kriterien werden immer wieder überprüft und angepasst. 

Das Gremium setzt sich mit Trends auseinander und beobachtete über die letzten Jahre, dass sich das  Aufwachsen von Kindern stark gewandelt hat und damit auch die Auseinandersetzung mit Spielzeug und Materialien für Kinder. Das Gremium stellte die Themen Kriegsspielzeug, technisiertes Spielzeug, Action-Figuren, Modethemen, Lernspielzeug-Welle, Öko-Welle, Gender-Thema, digitalisiertes Spielzeug und Lizenzen fest und setzte sich damit auseinander. 

Viele Spielzeugausführungen, gibt es immer noch und diese haben sich kaum verändert, wie Schaukelpferde und Teddybären, Kunststoffpuppen, Sandspielzeug + Sandfahrzeuge usw. Manche Themen, wie Dampfmaschinen oder Cowboy und Indianer sind dagegen fast ganz verschwunden, dafür gibt es ferngesteuerte Drohnen und Star Wars oder Harry Potter.

Manche Dinge sind nur noch in Institutionen zu finden, wie z.B. Kaufladen und Kaspertheater, dafür steht in vielen Privatgärten ein  Trampolin.

Ingetraud Palm-Walter, Vorstand, spiel gut Arbeitsausschuß Kinderspiel + Spielzeug e.V.

BRANDORA to B: Frau Palm-Walter (Vorstand), bisher bewerten Sie haptische Spielwaren. Was ist mit Games? Immer mehr Kinder verbringen ihre Zeit vor Tablets etc. – überlegen Sie dies Art des „Spielen“ ebenfalls in Ihre Bewertungen aufzunehmen?

Als die ersten Computerspiele aufkamen, haben wir überlegt, ob wir diese auch zur Begutachtung aufnehmen. Wir haben uns aber dagegen entschieden, weil dafür andere Fachleute notwendig gewesen wären und wir auch mit unserer Kapazität an Grenzen gestoßen wären. Mittlerweile vermischt sich das digitale Spielen mit klassischen Spielsachen z.B. die elektrische Eisenbahn wird über das Tablet gesteuert, so dass wir zumindest diese Spielmaterialien natürlich auch mit beurteilen.

Veränderungen machen das Empfehlen nicht einfach

Die Veränderungen, die über sechs Jahrzehnten stattfanden, haben das Beurteilen, Einschätzen und Empfehlen von Spielzeug nicht einfach gemacht. Deshalb sorgt spiel gut für unterschiedliche Fachleute im Gremium, die selbst auch Eltern und Großeltern sind und/oder berufliche mit Kindern zu tun haben.

BRANDORA to B: Welche Fachleute sitzen im Gremium?

Pädagogen, Psychologen, Erziehungswissenschaftler, Architekten, Biologen, Chemiker, Mediziner, Ingenieure, die alle auch entweder Eltern, Großeltern sind oder beruflich mit Kindern zu tun haben.

BRANDORA to B: Sie sagen, dass das spiel gut-Siegel als Gütesiegel wahrgenommen wird. Für was steht Ihr Siegel ganz konkret?

Wir überprüfen und beurteilen den Spielwert – werden Fantasie und Vorstellungsvermögen gefördert? Entspricht das Spielthema den Lebenserfahrungen? Die Altersangabe, das Material, die Qualität der Verarbeitung und die Haltbarkeit, die Sicherheit, die Umweltverträglichkeit, die Beschreibung bzw. Gebrauchsanleitung zum Spielzeug, die Gestaltung, die Konstruktion, die Verpackung in Qualität und die Angaben darauf.

BRANDORA to B: Wie hoch schätzen Sie Ihren Einfluss bei Kaufentscheidungen von Familien ein?

Nach Rückmeldungen der Firmen heben sich Produkte mit dem Siegel von anderen Produkten ab und werden bei der Kaufentscheidung bevorzugt.

BRANDORA to B: In welcher Form wird spielgut vom Bundesministerium für Familie gefördert? 

Wir erhalten einen Zuschuss zu unserer Testarbeit. Das ermöglicht uns, den Test kostenlos durchzuführen. Erst wenn ein Spielzeug ausgezeichnet wird und auf die spiel gut
Homepage kommt, müssen wir für die Pflege der Homepage eine geringe Bearbeitungsgebühr berechnen. Eine Pflicht das Siegel zu nutzen, besteht für die Hersteller nicht. Die Pauschalgebühren für die Nutzung des Siegels durch die Hersteller können durch den Zuschuss des Ministeriums auch niedrig gehalten werden, so dass auch kleine Firmen das Siegel nutzen können und für uns auch keine Abhängigkeit von der Nutzung des Siegels besteht.

Wir danken für das Interview.