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Brandora to B | 8. Dezember 2019

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Expertenbeitrag: (Produkt-)Fotografie – das Auge kauft mit!

Expertenbeitrag: (Produkt-)Fotografie – das Auge kauft mit!

Was ist im Umgang mit (Produkt-)Fotos zu beachten? Wie beauftrage ich Fotografen richtig und was ist bei der Weitergabe von Fotos an Dritte zu beachten? 

Ein Expertenbeitrag von Gunnar Menzel.

Urheberrecht & Nutzungsrecht – die Grundlagen

Jedes Foto ist urheberrechtlich geschützt, d.h. der Urheber (Fotograf) hält alle Rechte an den Bildern. Dieses Recht lässt sich nicht übertragen, jedoch kann der Urheber eine Lizenz zur Nutzung vergeben. Dieses Bündel an Rechten wird als Nutzungsrechte beschrieben.

Diese Nutzungsrechte sollten schriftlich vorliegen, unabhängig davon ob die Bilder angekauft bzw. beauftragt oder dem Kunden überlassen wurden. Wir empfehlen die Nutzungsrechte schon vor der Beauftragung zu klären, spätestens aber vor der Veröffentlichung der Bilder.

Es folgt ein kurzer Überblick über die 8 Dimensionen der Nutzungsrechte und der möglichen Elemente:

Dimension 1 – Räumliche Nutzung

  • Wo dürfen die Bilder genutzt werden? 
  • Bezug: regional
  • Typische Eingrenzungen:
    • Frei gestaltbar
    • Deutschland
    • Europa
    • Auch möglich: Online – DE Domains
    • Weltweit (am weitreichendsten)
  • Online ist übrigens nicht die Domain, sondern der Zielmarkt der Seite entscheidend

Dimension 2 – Zeitliche Beschränkung

  • Wie lange dürfen die Bilder verwendet werden? 
  • Bezug: Dauer
  • Typische Eingrenzungen:
    • Frei gestaltbar
    • 1 Woche
    • 5 Jahre
    • Spezifische Printausgabe z.B. Ausgabe Dezember 2018
    • Zeitlich unbegrenzt (am weitreichendsten)

Dimension 3 – Medien / Verwertungsarten

  • Wofür dürfen die Bilder verwendet werden? 
  • Bezug: Medium
  • Typische Eingrenzungen:
    • Frei gestaltbar
    • Print & physische Produkte – ohne PDF/Online
    • Online
    • Social Media
    • Intranet & Firmennetze
    • Fernsehen; Kino; DVD & Infoscreens
    • Datenträger
    • Keine Beschränkung (am weitreichendsten)

Dimension 4 – Rechte Dritter

  • Wer muss einer Nutzung zustimmen? 
  • Bezug: Rechteinhaber
  • Typische Rechte Dritter:
    • Personen (Persönlichkeitsrechte)
    • Andere Urheber (z.B. Bild im Bild)
    • Markeninhaber (z.B. Coca Cola)
    • Designer (z.B. Eames Chair)
    • Architekten (z.B. Allianz Arena München)
    • Property (z.B. Hausrecht etwa Grundstück)

Dimension 5 – Exklusivität

  • Dürfen andere das Werk nutzten? 
  • Bezug: Anzahl der Nutzer
  • Typische Eingrenzung:
    • Einfache Nutzungsrechte
    • Exklusiv; jedoch Fotograf darf zur Eigenwerbung Bilder verwenden
    • Komplettes Buy-Out (kein anderer – auch Fotograf nicht)

Dimension 6 – Urhebernennung

  • Muss ich den Fotografen nennen?
  • Bezug: Pflicht zur Urhebernennung nach § 13 S.2 UrhG
  • Nennung unabhängig von der Nutzungsart
  • Urheber kann angeben wie die Nennung zu erfolgen hat
  • Möglichkeit zum Verzicht durch den Urheber in den Nutzungsrechten
  • Nicht- oder Falschnennung führt u.a. zu einem Schadensersatzanspruch
  • Es gibt Ausnahmen
  • Beachte: Erfolgt kein Verzicht muss der Urheber korrekt angeben werden

Dimension 7 – Unterlizenzierung

  • Darf ich anderen das Bild überlassen?
  • Bezug: Wem darf der Lizenznehmer die Nutzung einräumen?
    • Frei gestaltbar
    • Keine Unterlizenzierung zugelassen (nur durch den Urheber möglich)
    • Unterlizenzierung für bestimmte Nutzungsarten
    • Unterlizenzierung für verbundene Unternehmen
    • Unterlizenzierung für Kunden
    • Unterlizenzierung komplett zugelassen (am weitreichendsten)
  • Beachte: Ist die Unterlizenzierung ausgeschlossen, darf keine Weitergabe an die Presse erfolgen (Pressemappen)

Dimension 8 – Recht auf Bearbeitung

  • Darf ich das Bild verändern?
  • Bezug: Bildbearbeitung
  • Frei gestaltbar
  • Werk darf normalerweise nicht verändert werden
  • Beschnitt zählt als Veränderung
  • Bildbearbeitung zulässig (am weitreichendsten)

Zusammenfassung

Sollten die Frage nach den Nutzungsrechten nicht beantwortet werden können, empfehlen wir diese Fotos gar nicht zu verwenden. Die Gefahr, Rechte Dritter (etwa von Personen oder Markeninhaber) zu verletzten, ist sonst nicht abschätzbar.

Was muss ich beim Einkauf der Bilder beim Fotografen/Großstudio beachten?

Neben der reinen kreativen Leistungsbeschreibung sollten die Nutzungsrechte klar beschrieben und mit ausgeschrieben werden. Je nach geplanter Verwertung und Komplexität des Sets können Nutzungsrechte das Budget stark belasten. Firmenintern sollte möglichst im Vorfeld geklärt werden, ob etwa nur eine Social Media Kampagne oder ein volles Kommunikationsset u.a. auch mit Produktverpackungen mit dem Bildmaterial ausgestattet werden soll.

Sollten regelmäßig Fotografen beauftragt werden oder Bilder an Dritte herausgeben werden, empfehlen wir eigene Standard-Lieferantenverträge bzw. Nutzungsbedingungen für Dritte erstellen zu lassen.

Welche Elemente in eine Fotografenbriefing gehören, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst: https://rights-managed.de/fotografen-briefen-12-punkte-perfektes-briefing/

Perspektive Bildweitergabe: Wie gebe ich die Bilder zur Nutzung frei

Vor der Weitergabe an Dritte sollte geprüft werden, dass die nötigen Rechte am Bildmaterial vom Fotografen übertragen wurden. Ein wichtiger Punkt ist hier die Dimension 7 – Unterlizenzierung. Dieses Recht sollte eingeräumt worden sein. 

Grundsätzlich können nur Rechte weitergegeben werden, die auch eingeräumt wurden. Beispielsweise können Bilder, die durch den Fotografen nur für eine Nutzung in Deutschland freigegeben sind, nicht für Kunden in Frankreich lizenziert werden.

Wir empfehlen bei der Herausgabe von Bildern, etwa über ein Presseportal, Standard-Nutzungsbedingungen zu Ihrem Bildmaterial mit zu vereinbaren. Denkbar wäre etwa, dass Ihre Kunden vor dem Download Ihrer Produktbilder Ihre Lizenzbedingungen akzeptiert.

Link zu rights management

Link zu Gunnar Menzel

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