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Brandora to B | 24. August 2019

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Influencer: Authentizität vor Reichweite

Influencer: Authentizität vor Reichweite

„Herz vor Dollarzeichen“ sollte die Devise sein, wenn man eine Zusammenarbeit mit Influencern anstrebt. Nicht die Größe des Kanals und die Clickrates sind allein entscheidend für den Erfolg von Kampagnen. Wichtiger ist die Passung zwischen den beteiligten Partnern.

Bloggen und Vloggen mit dem Herzen

Die vergangenen Beiträge haben es bereits deutlich gemacht. Eine Zusammenarbeit mit Influencern bietet vor allem eines: eine Zusammenarbeit mit einem glaubwürdigen Multiplikator. Deshalb sollte es das erste Ziel eines Influencers sein, genau diese zu erhalten. Ein klares Ziel vor Augen zu haben, für bestimmte Werte und Themen zu stehen. Einen eigenen Stil zu folgen und in erster Linie mit dem Herzen zu bloggen/vloggen statt mit Dollarzeichen im Gesicht. Die Honorierung, auch das habe ich an anderer Stelle bereits erwähnt, steht nicht in Frage und sollte dem Umfang der Zusammenarbeit angemessen, erfolgen. Genau deshalb rate ich Unternehmen von Influencern ab, die jede Kooperation annehmen, sobald das Honorar stimmt, deren USP nicht klar erkennbar ist oder deren Kanal (fast) nur noch aus bezahlten Beiträgen besteht. Und da kommt wieder die Reichweite ins Spiel: Ich rate in diesen Fällen von einer Kooperation ab, egal wie groß die Reichweite ist. Erst kürzlich sagte der erfolgreiche YouTuber Fabian Grischkat auf dem Kids, Teens und Marke Kongress, dass er merkt, wie sehr ihm in den vergangenen Jahren seine ganz persönliche, authentische Note immer mehr verloren gegangen sei. Dass er sehr strategisch darauf geachtet hat, was bei Fans gut ankommt, statt Themen auf seine ganz eigene Art umzusetzen.

„Ehrlichkeit währt am längsten, auch auf dem Influencer Markt. Die Community möchte nicht angelogen werden. Merken die Fans, das der Influencer nicht ehrlich ist, so verlieren sie ihr Vertrauen und die Bindung zwischen Creator und Fan fängt an zu bröckeln.“, so der 18-Jährige.

Der Erfolg gibt ihm Recht: Er ist wieder mehr bei sich, wählt Kooperationspartner mit Bedacht, ist in der Umsetzung wieder spontaner und hat mit seiner Authentizität auch automatisch steigende Fans. 

Video von Fabian Grischkats Youtube – Kanal „Grischistudios“

Gekaufte Fans und Follwer lassen einen Account auf den ersten Blick als „erfolgreich“ erscheinen. Die Wirkung wird jedoch gering sein bis stark negativ ausfallen und Sie als Unternehmer frustriert zurückbleiben. Kein Wunder also, dass der Trend vor allem im Kinder- und Familienbereich aktuell wieder mehr zu Microinfluencern geht. Beachten Sie bei der Auswahl Ihrer Kooperationspartner daher in erster Linie die Inhalte, das Verhältnis von eigenen und bezahlten Beiträgen sowie den Stil des Influencers und erst dann die vermeintlich hohe Reichweite. Gerade bei einer jungen Zielgruppe haben Influencer einen entscheidenden Vorteil gegenüber klassischen Jugendmedien, den Fabian Grischkat in einem Interview mit der Kids, Teens und Marke auf den Punkt bringt:

„Youngfluencer haben eine viel innigere und direktere Bindung zu ihrer Community als z. B. ein Jugendmagazin. Die Fans werden nahezu vollkommen in das Leben des Influencer eingebunden und werden zu einem wichtigen Teil seines Lebens. Ein weiterer Vorteil ist die Direktheit und oft vielleicht auch die „Unüberlegtheit“ von Influencern. Hat ein Influencer ein Problem, so äußert er das sofort in seiner Story, schreibt einen Tweet oder dreht ein Video darüber. Klassische Medien könnten niemals so schnell reagieren.“ 

Und trotzdem diskutieren wir noch immer mit vielen Unternehmen, warum die Zusammenarbeit mit Influencern bezahlt werden sollte. Insbesondere bei „kleineren“ Influencern. Die Antwort ist einfach: Der Aufbau eines Blogs, YouTube Kanals, Instagram Accounts etc. erfordert sehr viel Fleißarbeit, Geduld, Hintergrundwissen über den Aufbau einer Marke, strategische Herangehensweisen, das Know-How von Online-Besonderheiten, Fotografie- oder Videokenntnisse, Kreativität und vieles mehr, das auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. Davon kann auch YouTuber Fabian berichten:

„Viele Menschen sind der Meinung, dass es relativ easy ist, mit YouTube Video durchzustarten. Ich lade nun seit fast 6 Jahren regelmäßig Videos auf YouTube hoch und kann daher sagen: Es ist alles andere als einfach. Ich mache Videos seitdem ich 12 Jahre alt bin, ich gehe zur Schule & lade nebenbei jede Woche mindestens einen Film auf YouTube hoch. So viel Spaß mir diese Arbeit auch macht, es ist purer Stress.“

Es erfordert aber vor allem den Mut, den eigenen Weg zu finden, um im Dschungel der Elternblogger, Young- und Kidfluencer hervorzustechen. Denn allein in Deutschland gibt es weit mehr als 2.000 davon. Es erfordert eine klare Haltung gegenüber Kooperationsanfragen und sicherlich häufig eine Absage dieser – trotz attraktiver Honorierung. Ein langfristig erfolgreicher Influencer erstellt mehr als nur Beiträge. Ein Invest, der von außen nicht sichtbar ist und daher zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich noch erwähnenswert ist, um das Verständnis für die Arbeit des „Partner in Crime“ zu fördern und die Diskussion über Honorare im Keim zu ersticken. Klar ist aber auch, dass aufgrund der Vielzahl an digitalen Multiplikatoren, Marken nur bereit sein werden, angemessene Honorare zu bezahlen, wenn der Markt an Transparenz gewinnt, schwarze Schafe seltener werden und die positiven Erfahrungen einer beiderseitigen Zusammenarbeit überwiegen. Und bereits jetzt ist klar zu erkennen, dass sich die Spreu so langsam vom Weizen trennt.

Key Take-Aways für Unternehmen und Influencer

  • Influencer, die auf jede Kooperation aufspringen, wenn das Honorar stimmt, sind mit Vorsicht zu betrachten
  • Zu viele verschiedene Kooperationspartner verderben die Glaubwürdigkeit.
  • Influencer sind im besten Fall selbst eine Marke, mit klar erkennbarem USP und einer klaren Haltung
  • Influencer-Honorare sind selbstverständlich und immer vor dem Hintergrund des Aufwands zum Aufbau einer professionellen digitalen Präsenz zu bewerten

Die Autorin

 

Tomma Rabach leitet die Agentur rabach kommunikation in Hamburg. Gemeinsam mit ihrem Team berät sie (inter)nationale Kunden insbesondere in den Bereichen Kids/Familie und Food.

 

 

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