Image Image Image Image Image Image Image Image Image Image

Brandora to B | 25. Mai 2019

Nach oben scrollen

Oben

Ist Nachhaltigkeit ein Mega-Trend?

Ist Nachhaltigkeit ein Mega-Trend?

BRANDORA TO B im Interview mit Ginka Christenson, die in vielen Bereichen der Babyhartwaren- und Spielwarenbranche tätig ist. Nach dem Verkauf von Käthe Kruse an Hape International launchte sie mit kikadu ein neues Nachhaltigkeits-Label Im Baby- und Kleinkindsortiment und sitzt des Weiteren in mehreren Aufsichtsräten, unter anderem im Beirat von Baby-Walz (Walzgruppe).

Sie kennen die Babybranche seit vielen Jahren. Mit Ihrem kikadu-Sortiment verfolgen Sie konsequent den Nachhaltigkeits-Aspekt. Wie definieren Sie für sich den Begriff Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit bedeutet für uns den Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette, d.h. z.B. angefangen von der Baumwollpflanze – wo kommt die Rohbaumwolle her, wie wird sie behandelt, über Ernte, Verarbeitung, Färbung, Verarbeitung zum Produkt, Verschiffung und Lagerung.

Entlang der Wertschöpfungskette stehen auch die Menschen im Mittelpunkt, die am Erfolg der Marke beteiligt sind; dazu gehören sowohl die die Näher/Innen als auch der Handel, der nur bei vernünftigen Margen langfristig überleben kann. Wir möchten, dass kikadu für jeden Menschen, der mit kikadu in Berührung kommt, von Vorteil ist.

Ist Nachhaltigkeit einer der Mega-Trends im Babybereich?

Viele Unternehmen aller Branchen stellen Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt ihrer Strategie im Rahmen der Corporate Social Responsibility (CSR). Vor allem junge Konsumenten verlangen Transparenz und Ehrlichkeit, sie informieren sich. Die sozialen Medien unterstützen diesen Trend. Gründen diese Konsumenten Familien, so tauchen erstmals Fragen auf, wie: Woher kommen die Produkte?, Wer macht sie?, Wie geht es den Menschen, die die Produkte herstellen?, Sind die Produkte zeitgemäß und modern?……..

Lama-Kollektion, kikadu

Bio-Baumwolle, nachhaltige Produktion und GOTS-Zertifikate sieht man vor allem im Bekleidung-Segment für Kinder. Wie wichtig wird die Nachhaltigkeit im Bereich der Spielware für die Zukunft werden?

Ein bisschen ist das wie in die Glaskugel zu schauen. Wir sind überzeugt, dass es immer wichtiger wird, im Bereich Spielware den Nachhaltigkeitsgedanken auch jenseits von Textil in den Mittelpunkt zu stellen.

Nachhaltigkeit im Sinne von nachhaltig wirtschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette geht uns alle an, egal wo wir produzieren. Der Veränderungsprozess hat gerade begonnen, junge Menschen sind auf der ganzen Welt besorgt um den Planeten, gehen auf die Strasse und verlangen Gehör und Veränderung, insofern wird Nachhaltigkeit „lauter“ und bewußter und verändert so hoffentlich langfristig das Konsumverhalten.

Wir haben das Gefühl, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten oftmals nur ein Lippenbekenntnis von Konsumenten ist, und diese nicht bereit sind, mehr Geld für nachhaltige Produkte auf den Kassentisch zu legen. Stimmen Sie unserem Gefühl zu oder können Sie es widerlegen?

Wie in allen Märkten gibt es hier nicht „eine“ Antwort. Es gibt unterschiedliche Segmente von Konsumenten: Für die einen ist die Nachhaltigkeit ein Credo für alle Produkte, die sie konsumieren, für andere nur für ausgewählte Bereiche, oder eben gar nicht.

Richtig ist, dass ein Wandel stattfindet. Wenn die nachhaltigen Produkte aus der Nische wachsen werden sie auch für eine breitere Masse erschwinglich.

 

Wo liegt die vertriebsstrategische Zukunft von Marken im Babybereich? Sie verkaufen Ihre kikadu-Produkte neben dem Fachhandel auch in den Bio-LEH. Müssen sich Hersteller alternative Handelsstrukturen aufbauen?

Wir verkaufen an Kunden, die unsere Philosophie der Nachhaltigkeit teilen, und die wiederum unsere Endkunden ansprechen, dies über alle Segmente (d.h. nicht nur Spielware oder Bio LH – es gehören auch Lifestyle-Handelskanäle etc. dazu) hinweg. Wir gehen dorthin, wo wir unseren Endverbraucher antreffen und wo dieser kikadu sucht.

Einhorn-Kollektion von kikadu

 

Ähnlich wie in der Spielwarenbranche kann man auch bei den deutschen Babyhartwaren-Fachhändlern ein Sterben der stationären Flächen beobachten. Worin liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen?

Die Ursachen liegen zum Teil an den Läden selber: diese sind verstaubt, langweilig, mit ungeschultem und unmotiviertem Personal. Der Erfolg, den die Läden über viele Jahrzehnte hatten, hat die Inhaber und Mitarbeiter bequem und unflexibel werden lassen.

Online ist wie überall eine große Konkurrenz. Der Handel muss neu denken, vom Kunden her und verstehen, was der Kunde sucht, erwartet und wie er ihn positiv überraschen kann.

Ein Beispiel, das ich erlebt habe: Eine 10 Jahre alte Skijacke hat sich nach der Wäsche an den Klebestellen aufgelöst. Der Hersteller, vertreten durch ein Shop in Shop hat die Jacke nach 10 Jahren wieder hergestellt und sich für meine Treue mit einem persönlichen Schreiben bedankt. Ich werde immer diese Marke, in diesem Laden kaufen. They CARE!

Lama-Kollektion von kikadu

 

Oftmals wird die zunehmende Digitalisierung von Händlern als Grund von Geschäftsaufgaben genannt. Ist das Ihrer Meinung nach zutreffend?

Das spielt sicherlich auch eine Rolle, das Angebot ist größer, flexibler, ich kann 24/7 einkaufen, anonym, zurückschicken, werde nicht angequatscht und muss mich nicht mit gelangweilten Personal herumschlagen….

 

Wenn Sie die Möglichkeiten hätten, die Zukunft zu formen – wie würde in Ihrem Ermessen die Handelsstruktur und die Produktsortimente für Babyprodukte in 10 Jahren aussehen?

Eine Mischung aus On- und Offline, nahe am Kunden, z.B. Infocenter, Läden die der werdenden Mutter, Familie entgegenkommen, z.B. Nähe an Ärztehäusern (mit Gynäkologie), an Krankenhäusern, Babykrippen, … eventuell auch dort integriert. Wenn man sich es überlegt, sind die Menschen, die mit Kleinkindern viel zu tun haben, doch die besten Berater.

Kinderwägen und Autositze, – das ganze Mobilitätsthema, kann ich mir gut in kleinen Infoboutiquen vorstellen, zum Teil in einer 3D Welt, die dann das für mich passende Produkt konfigurieren. Es wird direkt nach Hause geliefert, oder eben in dieser Boutique abgeholt. Diese Stellen können auch Servicecharakter haben.

Dann denke ich an Lifestyleläden, die Konsumenten beraten können, nachhaltiger zu leben und zu konsumieren, das alles immer on – und offline, Multichannel.

Nicht zu vergessen ist der ganze Bereich 2nd Hand, sharing etc., dies spielt bei großen Anschaffungen wie Babyzimmer, Kinderwagen und eventuell auch Autositz eine Rolle. Bei Bekleidung und Spielware, denke ich, wird dies weniger ein Ansatz sein.

Ginka Christenson, Gründerin von kikadu

Hier geht’s zu kikadu, dem Nachhaltigkeits-Label von Ginka Christenson, Silvia Henneka und Florian Henneka.