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Brandora to B | 19. Juli 2019

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KNV sucht Investor

KNV sucht Investor

Der vorläufige Insolvenzverwalter des Buchlogistikers Koch, Neff und Volckmar (KNV) mit Sitz in Stuttgart zieht auf der Leipziger Buchmesse ein Zwischenfazit. Es sei gelungen, die insolventen KNV-Gesellschaften zu stabilisieren und uneingeschränkt fortzuführen.

Die in den ersten Tagen eingetretenen insolvenzbedingten Verzögerungen seien inzwischen beseitigt und die Arbeitsabläufe hätten sich normalisiert. Dies sei auch ein Verdienst der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Tobias Wahl, die trotz der Insolvenz hoch motiviert sowie engagiert seien und an einem Strang zögen.

KNV ist eine tragende Säule des deutschen Buchhandels. Die Insolvenz würde das Liefersystem für zahlreiche Händler und Verlage empfindlich stören. Das über lange Zeit gewachsene System der KNV wird international beneidet. Mit ihren über 1800 Beschäftigten ist sie der größte Zwischenhändler der Branche. Die Koch, Neff & Volckmar GmbH (‚KNV‘) ist der größte deutsche Buchgroßhändler mit Hauptsitz in Stuttgart. Seit über 185 Jahren hat das Familienunternehmen seine Kernkompetenz in der Distribution von Büchern, E-Books, Spielen, DVDs, Musik-CDs, Kalendern und vielen weiteren Buchhandel-Artikeln. Die KNV fungiert als Bindeglied zwischen den Verlagen und Buchhandlungen und hat ständig rund 590.000 Titel von über 5.000 Verlagen in ihrem Zentrallager in Erfurt vorrätig. Diese können durch den firmeneigenen Fahrdienst über Nacht ausgeliefert werden.

Mutmaßlich würde eine Insolvenz oder ein Zusammenbrechen des Systems einen großen Teil des Umsatzes schlagartig zu Amazon spulen. Denn keines der Konkurrenzunternehmen könnte die Kapazitäten so schnell abfangen. Auch ein Verlagssterben könnte hierdurch ausgelöst werden. Dies wäre für den deutschen Buchhandel ein Horrorszenario.

Eckhard Südmersen vom Mitbewerber „Libri“ äußerte sich im Rahmen der Leipziger Buchmesse drastisch: Eine derartige Veränderung hätte „japanische Zustände“ zur Folge. In Japan habe der stationäre Handel dem E-Commerce nichts entgegenzusetzen, sodass der gesamte Buchmarkt innerhalb von zehn Jahren um gut ein Drittel geschrumpft sei.

Information und Transparenz schaffen Vertrauen

„Ganz besonders wichtig ist, dass große und kleine Verlage sowie der Bucheinzelhandel wieder Vertrauen gefasst haben und die Verlage die Belieferung von KNV fortsetzen. Auch in der Verlagsauslieferung erfahren wir eine starke Loyalität unserer Verlagspartner. Damit haben wir einen wichtigen Etappensieg errungen. Ich habe selten so eine Verbundenheit und Treue sowie Solidarität einer Branche gesehen, wie sie im Buchmarkt der KNV-Gruppe entgegengebracht wurde. Der Buchmarkt ist eine ganz besondere, interessante Branche. Information und Transparenz sind der Schlüssel, um die Betroffenen zu erreichen, Vertrauen zu schaffen und gemeinsam eine Lösung zu erzielen. Das haben wir geschafft“, freut sich der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl von der Kanzlei anchor.

Roadshow in Deutschland

Mit zum bisherigen Erfolg beigetragen hat maßgeblich auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter und Partnern der Kanzlei anchor eine Informationsreihe durch zahlreiche Städte in Deutschland für seine Mitglieder durchgeführt hat. Zu seinen rund 4.500 Mitgliedern zählen Verlage, Buchhandlungen und Zwischenbuchhändler jeder Größenordnung. Über 500 Teilnehmer waren den Informationsveranstaltungen gefolgt. Über 2.000 Anfragen gingen seit Mitte Februar 2019 bei der Rechtsabteilung des Börsenvereins ein.

KNV mit eigenem Stand auf Leipziger Buchmesse

Den Fragen der Börsenvereinsmitglieder stellten sich nun auf der Leipziger Buchmesse am 21.03.2019 auch der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl, sein Partner Prof. Dr. Martin Hörmann von der Kanzlei anchor und Prof. Dr. Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins bei einer Veranstaltung des Börsenvereins im Congress Center Leipzig (CCL).

Zukunftslösung durch Investor

Bis Ende April 2019 wird der vorläufige Insolvenzverwalter ein Gutachten über die Insolvenz der KNV-Gesellschaften erstellen und an das Amtsgericht Stuttgart einreichen. Das Amtsgericht wird voraussichtlich am 1. Mai 2019 das Insolvenzverfahren eröffnen. Ab diesem Zeitpunkt werden die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter wieder von den betroffenen KNV-Gesellschaften bezahlt. Die Leistungsfähigkeit hierzu hält Tobias Wahl für gewährleistet.

Die KNV-Gesellschaften sind das unverzichtbare Scharnier zwischen den Verlagen und dem Bucheinzelhandel. Der Buchlogistiker KNV verfügt über ein gutes tragfähiges Geschäftsmodell und genießt das Vertrauen im Markt. Dies stimmt den vorläufigen Insolvenzverwalter und die Geschäftsleitung zuversichtlich, dass es gelingen wird, die KNV-Gesellschaften mit Hilfe eines Investors zu erhalten und fortzuführen. Ein Verkaufsprozess, so Wahl, werde durchgeführt.

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