Image Image Image Image Image Image Image Image Image Image

Brandora to B | 24. April 2019

Nach oben scrollen

Oben

Väter als Konsumenten. Oder: Die unterschätzte Zielgruppe

Väter als Konsumenten. Oder: Die unterschätzte Zielgruppe

Ein Expertenbeitrag von Marco Krahl, Redaktionsleiter Men’s Health Dad, über das Konsumentenverhalten von Vätern.

Feierabend! Heimweg! Handyklingeln! Oh, meine Frau! Ob ich auf dem Weg nach Hause noch schnell beim Supermarkt vorbeifahren könne, fragt sie. Ja okay, eine rhetorische Frage, aber egal. Pling! Eine Minute später kommt der Einkaufszettel via WhatsApp: „Spülschwämme, Müllbeutel, Babyfeuchttücher mit Kamille und Aloe vera“ – und noch drei, vier Teile fürs Abendessen. Ich kaufe alles ordnungsgemäß ein, lege noch etwas Süßes für die Kinder, Schnittblumen für die Frau und einen Akkuschrauber (Sonderangebot) für mich in den Einkaufswagen und düse nach Hause.

Düfte, Bier und Mobiltelefone

Normal ist das nicht. Normal bin ICH nicht. Männer kaufen nämlich keine Babyfeuchttücher und keine Spülschwämme, jedenfalls nicht, wenn man aktuellen Konsum-Analysen Glauben schenken darf. Zum Beispiel der Best for planning-Umfrage, kurz b4p, die seit 2013 umfassend die Mediennutzung und das Konsumverhalten von Verbrauchern analysiert und beispielweise auch die Markenorientierung abfragt. In der aktuellen Erhebung interessieren sich in dieser Kategorie gerade mal 3 Prozent aller Männer für Babynahrung und Babypflegemittel. Zum Vergleich: Die Spitzenpositionen belegen bei diesem Ranking Düfte (42 Prozent), Bier (41 Prozent), Mobiltelefone (35 Prozent), Kaffee (33 Prozent) und Autos (30 Prozent). Ein Fun Fact, den ich eigentlich gar nicht so lustig finde: Spielwaren finden hier überhaupt keine Berücksichtigung – mal abgesehen von Spielekonsolen!

Von der Theorie zurück in die Praxis und in meinen Supermarkt, wo ich der lebende Gegenbeweis für die Statistiker bin, weil ich den ganzen Kinderkram eben doch kaufe. Wie eine 3-Prozent-Minderheit fühle ich mich in diesem Moment nicht, denn wenn ich mich im Supermarkt so umschaue, sehe ich, dass ich wahrlich kein Einzelfall bin: Viele Männer – mit Kind im Kinderwagen oder in der Babytrage oder auch ohne – werfen Babyfeuchttücher, Windeln und Karottenbreigläschen in ihre Einkaufswagen. Ja, manche telefonieren gleichzeitig mit der Partnerin, so what!

Aktuelle Ausgabe der Men’s Health Dad

Allen Kritikern, die behaupten, meine Geschlechtsgenossen und ich würden nur brav den WhatsApp-Einkaufszettel der Gattin abarbeiten, kann ich nur entgegnen, dass der verlängerte Arm meiner Frau nicht immer bis zur Supermarktkasse reicht. Manchmal kaufe ich aus lauter Lust an der Selbstbestimmung nämlich nicht die Babyfeuchttücher mit Kamille und Aloe vera, sondern die mit Hopfen und Malz – und behaupte zu Hause einfach, das gewünschte Produkt war leider ausverkauft. Selbst ist der Mann und Konsument! 

Mütter sind gut darin ihre Männer von ihrer Kaufentscheidung zu überzeugen

Manche Konsum-Umfragen entlarven sich übrigens auch selbst. Aktuelles Beispiel: Die Family-Shopping-Umfrage im Auftrag von MyToys, für die Mütter und Väter befragt wurden und deren Antworten auch separat ausgewertet wurden. Bei dieser Untersuchung gaben 70 Prozent der Mütter an, dass sie hauptsächlich über Anschaffungen für die Kinder entscheiden, während 58 Prozent der Männer sagten, dass die Familie gemeinsam über den Kauf von Produkten bestimmt. Da stimmt doch was nicht. Die Fachzeitschrift „Horizont“ mutmaßt, dass „offensichtlich die Mütter gut darin sind, auch ihre Männer von ihrer Kaufentscheidung zu überzeugen“ – aber das Ergebnis lässt sich auch in andere Richtungen interpretieren, zumal sich in den letzten zehn Jahren, seit Einführung von Elterngeld und Elternzeit, sehr viel getan hat beim Selbstverständnis der Väter. Und sicher noch viel tun wird. Ich jedenfalls halte Väter für das unterschätzte Geschlecht in Sachen Konsum. So, und jetzt fahre ich meine Hopfen-Malz-Babyfeuchttücher nach Hause!

Über den Autor, Marco Krahl

Marco Krahl, Redaktionsleiter Men’s Health Dad

Marco Krahl (Jahrgang 1971) absolvierte nach dem Abitur, einer Ausbildung (Verlagskaufmann) und einem Studium (Kulturwissenschaften) ein Volontariat bei der Motor Presse Stuttgart. Im Anschluss war er erst Redakteur, dann Textchef und ist jetzt Stellvertretender Chefredakteur von Men’s Health. 2015 half er zudem der Line-Extension MEN’S HEALTH DAD auf die Welt – einem Magazin, das sich ausschließlich an Väter richtet. „Die Geburt war schwerer als die meiner beiden Kinder“, sagt er. Allerdings stand er da auch nur daneben! Die neueste Ausgabe von MEN’S HEALTH DAD liegt seit dem 9. April am Kiosk, die zweite Ausgabe für dieses Jahr erscheint am 8. Oktober. Mehr Infos gibt es unter www.menshealth.de/dad und www.power-couple.de/dad2019