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Brandora to B | 24. August 2019

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Weniger sitzen, mehr spielen: Empfehlungen für Kindergesundheit

Weniger sitzen, mehr spielen: Empfehlungen für Kindergesundheit

Erstmals veröffentlicht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Empfehlungen zur Gesundheitsförderung  für Kleinkinder.

„Screentime“ ist wohl ein Dauerbrenner in der familiären Diskussion. Immer mehr Bewegtbild und digitale Angebote verführen Kinder zur Inaktivität.

Für ältere Kinder gibt die WHO daher schon seit Längerem Empfehlungen zum gesundheitsfördernden Verhalten.

Für Kleinkinder bis 5 Jahre veröffentlicht die Organisation nun erstmals solche Tipps.

„Die frühe Kindheit ist eine Periode, in der sich der Körper und Kognition rasant entwickeln – und eine Zeit, in der sich die Gewohnheiten der Kinder formen und der familiäre Lebensstil offen ist für Veränderungen und Anpassungen“, schreibt die WHO.

So ist es nur folgerichtig, diese frühe Kindheit näher zu betrachten.

Anhand wissenschaftlicher Studien ergründeten die Forscher den Zusammenhang von Bewegung und Gesundheit im Kleinkindalter. Dabei ist „Bewegung“ nicht nur aktiver Sport, sondern beginnt bereits beim Krabbeln, Rennen und Hüpfen – bis hin zu sportlichen Aktivitäten wie Radfahren, Seilspringen oder Balancieren.

Das andere Ende des Bewegungsspektrums bildet der Schlaf. Dieser gilt den Forschern als Grundlage für eine gute geistige und psychosoziale Entwicklung. Kinder, die zu wenig Schlaf bekommen, haben statistisch beispielsweise auch mehr Übergewicht.

Lieber gemeinsam lesen, als in Wippe fixieren

Konkret empfiehlt die WHO:

Kinder unter einem Jahr sollten innerhalb von 24 Stunden:
  • Mindestens 30 Minuten lang körperlich aktiv sein. Konkret schreibt die WHO, Eltern sollten mehrmals am Tag ihre Kinder bei verschiedenen körperlichen Aktivitäten unterstützen, vor allem durch interaktives Spielen, bei dem sich die Kinder auf dem Boden bewegen. Kinder, die noch nicht mobil sind, sollten laut WHO über den Tag verteilt während Wachphasen mindestens 30 Minuten auf dem Bauch liegen.
  • Gar keine Zeit sitzend vor einem Bildschirm verbringen. Die Experten empfehlen darüberhinaus, die Kinder nicht mehr als eine Stunde am Stück in Kinderwagen, Stühlen oder in Tragegurten zu fixieren. Natürlich funktioniert dies nicht immer, wie viele leidgeprüfte Eltern wissen. In diesem Fall sollte die Zeit jedoch nicht passiv sein, sondern zumindest durch Geschichten o.ä. durch die Bezugsperson gestaltet werden. Dies fördere die psychosoziale Bildung. Bildschirme sind laut WHO in diesem Alter tabu.
  • 14 bis 17 Stunden schlafen (Kinder zwischen null und drei Monaten), beziehungsweise 12 bis 16 Stunden schlafen (Kinder zwischen vier und elf Monaten).

Kinder im Alter von einem bis zwei Jahren sollten innerhalb von 24 Stunden:
  • Mindestens 180 Minuten lang körperlich aktiv sein. Dabei sollten sich die Arten der Bewegung unterscheiden, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation. Über den Tag verteilt sollten sich die Kinder außerdem mehrmals so stark anstrengen, dass sie außer Atem geraten. Wie immer gilt: Mehr aktive Zeit ist besser.
  • Bis zum Alter von zwei Jahren nicht sitzend vor einem Bildschirm verbringen, danach höchstens eine Stunde. Auch in diesem Alter empfehlen die Experten, dass die Kinder nicht mehr als eine Stunde etwa in einem Stuhl oder einem Kinderwagen fixiert werden. Auch sollten die Kinder nicht über eine längere Zeit sitzen, etwa im Auto, an einem Tisch oder vor einem Fernseher.
    Für Einjährige sei es grundsätzlich nicht empfehlenswert, vor einem Bildschirm zu sitzen, etwa um Videos anzusehen oder Computer zu spielen, heißt es in den Empfehlungen. Für Zweijährige sollte die Bildschirmzeit pro Tag nicht eine Stunde überschreiten, weniger sei besser. Stattdessen empfiehlt die WHO auch in diesem Alter, sitzende Zeit mit Büchern oder Geschichten zu verbringen.
  • 11 bis 14 Stunden schlafen, inklusive Mittagsschlaf. Die Experten empfehlen regelmäßige Einschlaf- und Aufwachzeiten.

Kinder im Alter von drei bis vier Jahren sollten innerhalb von 24 Stunden:
  • Mindestens 180 Minuten körperlich aktiv sein. Mindestens 60 Minuten davon sollten die Kinder über den Tag verteilt mit moderaten bis stark anstrengenden Aktivitäten verbringen, die sie außer Atem bringen. Als Beispiele dafür nennt die WHO schnelles Laufen, Radfahren, Ballspiele, Schwimmen oder Tanzen. Auch hier gilt: Mehr aktive Zeit ist noch besser, außerdem sollten über den Tag verteilt verschiedene Aktivitäten kombiniert werden.
  • Nicht mehr als eine Stunde pro Tag sitzend vor einem Bildschirm verbringen. Auch hier rät die WHO eher zum Angucken von Büchern oder zum Geschichtenerzählen, als zur Unterhaltung durch Fernsehen, Computer oder Handy. Außerdem sollten Kinder in diesem Alter ebenfalls nicht mehr als eine Stunde am Stück fixiert werden oder für eine längere Zeit sitzen.
  • 10 bis 13 Stunden schlafen, mit Option auf einen Mittagsschlaf. Die Kinder sollten wie schon Ein- und Zweijährige regelmäßige Schlafzeiten einhalten.

Einige dieser Regelungen werden wohl nur schwer gänzlich umzusetzen sein – benötigen doch oft Transferzeiten in Auto oder Bahn mehr Zeit, in der das Kind in Zwangshaltung in Sitzen fixiert ist. Für diese Fälle empfehlen sich häufige Pausen, damit das Kind sich frei bewegen kann.

Laut WHO soll die Studie in spätestens zehn Jahren wiederholt werden. Auch für ältere Kinder hält die Organisation entsprechende Empfehlungen bereit.

Auswirkungen auf Spielware

Auch für Hersteller von Spielwaren sind diese Informationen relevant – sollten Hersteller doch bestrebt sein, Kinder in ihrer Entwicklung durch ihre Produkte zu fördern, und nicht in ihrer körperlich-geistigen Entwicklung zu behindern. Für einige Spielkategorien und Tendenzen, Screens auch für jüngere Zielgruppen zu etablieren, ergeben sich hieraus nicht unerhebliche Zielkonflikte.